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Geschichte der Frömmigkeit

Die Kalvarien von Vilnius wurden im Jahre 1669 am 9. Juni, am Pfingstensonntag, feierlich eingeweiht. In allen Kirchen läuteten die Glocken, als der Vilniusser Bischof Alexander Sapiega mit großer Begleitung von Geistlichen die Station des letzten Abendmahls erreichte und zu den Pilgern sprach. Er leitete den Kreuzweg. Er bestreute den Weg mit der aus Jerusalem gebrachten Erde, was die Verbindung mit dem Heiligen Land symbolisierte. Die Teilnehmer der Prozession bekamen den vollkommenen Ablass. Der Bischoff habe erklärt, dass jeder, der den ganzen Kreuzweg abgegangen ist, einen vollkommenen Ablass gewinnt.

Seit jener Zeit sind die Kalvarien von Vilnius ein Anziehungspunkt geworden. Nachdem die Zarenregierung das Dominikanerkloster in Verkiai geschlossen hatte, brach die Kreuzwegtradition nicht ab. Es war sogar umgekehrt, in der 2. Hälfte des 19. Jh. und am Anfang des 20. Jh. ist die Bedeutung und Popularität der Kalvarien von Vilnius besonders gewachsen. Diese Wallfahrtstätte wurde genauso zahlreich besucht wie das Heilige Tor mit dem Bild der Madonna. Diese zwei Orte gehörten zum Pilgerweg, den die nach Vilnius angekommenen Gläubigen schaffen wollten. Dazu kam noch die an der Bernhardinerkirche gebaute Heilige Treppe. Am Maria Himmelfahrtstag, am Karfreitag, am Pfingstensonntag und zu der Feier der Auffindung und Erhöhung des Heiligen Kreuzes sowie zu anderen Festtagen versammelten sich in dieser Wallfahrtstätte zahlreiche Mengen von Gläubigen.

In der Mitte des 19. Jh. fanden in dieser zur Erinnerung an das Leiden Christi errichteten Wallfahrtstätte zusätzliche Kreuzwegandachten statt: jeden zweiten Sonntag wurde während der Hochmesse das Heilige Sakrament geehrt; seit 1854 fanden am Maria Himmelfahrtstag, am Pfingstensonnabend, -sonntag, und -montag die 40-Stunden dauernden Kreuzwegandachten und eine große Prozession statt.

In der Mitte des 19. Jh. hat Adomas Honoris Kirkoras das Bild der Pfingstenfeiertage in seinem Buch „Spaziergänge durch Vilnius“ folgenderweise beschrieben: „Am ersten Pfingstentag versammelten sich zum Gottesdienst hauptsächlich Bauern, am zweiten, besonders nachmittags, ist die ganze Straße von der Grünen Brücke,- wenn es sonnig ist, - von einer Staubwolke umwoben. Eine nach der anderen ziehen die Fußgängergruppen, rollen die Kutschen. Nach dem Gottesdienst verwandelt sich der Kalvarienwald in einen prächtigen, von Menschen überfüllten Park. An diesem Tag wird die Messe gewöhnlich von dem Bischof zelebriert. Da viele Menschen aus den entlegenen Ortschaften kommen, wird nach der Messe auch die Firmung gespendet. Am dritten Tag kommen Stadtbürger, Handwerker, meistens Katholiken deutscher Herkunft. Es wird litauisch und deutsch gepredigt. In folgenden Tagen wird dieses bunte Leben ruhiger, die Leute gehen auseinander, die Handwerker kehren in ihre Werkstätten zurück, die Kaufleute bauen ihre Zelte ab. Bald setzt sich im Fichtenwald von Kalvarien wieder die feierliche Ruhe ein, die das ganze Jahr anhält.“

Der Sowjetmacht, die die Kapellen vernichtet hatte, gelang es nicht die Kreuzwegtradition abzubrechen. Die Leute blieben dabei, die Stationen des Kreuzweges immer wieder zu markieren. Anstelle von gesprengten Kapellen gab es aus Steinchen gelegte Kreuze, es blühten Blumen, es gab Pfade, die von einer zu anderen Kapelle führten.

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