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Marienpfade

Obwohl das Zimmer des letzten Abendmahls als die erste Station des Leidenswegs Christi gilt, beginnt man gewöhnlich den Kreuzweg an der Kapelle der Schmerzenden Jungfrau Maria. Muttergottesverehrung war in vielen Kalvarien des 17. Jh. sehr wichtig, weil nach der apokryphischen Tradition die Mutter Gottes als die erste den Leidensweg Christi abgegangen ist. Nicht selten wurden in den Kalvarien Stationen der Schmerzhaften Mutter Gottes eingerichtet, die in der umgekehrten Richtung als der Hauptweg abgegangen waren.

Die Kalvarien von Vilnius haben auch diese Tradition übernommen. Die Marienpfade bilden 12 Stationen, die am Grab des Herren beginnen und weiter in umgekehrter Richtung als der Kreuzweg bis zum Zimmer des letzten Abendmahls abgegangen sind. In dem 1826 herausgegebenen Führer wird auch der aus vier Stationen bestehende Begräbnisweg erwähnt, der im Todeshäuschen der Heiligen Jungfrau Maria anfing, das heute als Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes bekannt ist. Weiter habe der Weg durch das Wassertor über die Brücke bis zur Kapelle ihrer Begrabung geführt. Beim Abgang dieses Weges wurde um den glücklichen Tod und die Befreiung der Seelen aus dem Fegefeuer gebeten.

Der Kult der Schmerzhaften Mutter Gottes ist aber in den Kalvarien von Vilnius nicht so groß gewesen wie ihre Verehrung in den Kalvarien der Niederlitauer oder in vielen Kalvarien Polens. In den Kalvarien von Vilnius wurde die volle Aufmerksamkeit auf den Gekreuzigten und auf das Kreuz gerichtet. Diese Tendenz, die durch gut bedachte Komposition aller Bauten und durch die meisterhaft benutzte Landschaft ausgedrückt wurde, ist das Hauptmerkmal der Kalvarien von Vilnius.

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